Saftfasten - ein Erfahrungsbericht

Wenn Mama entsaftet...

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Ja, auch ich war 2016 so schlau und habe mir meine Winterfigur vom letzten Jahr komplett erhalten, um zwischendurch noch hier und da ein Kilo nachzulegen... Egal - jetzt geht’s auf alle Fälle mit guten Vorsätzen ins neue Jahr. Und ich habe vor Weihnachten bereits das Thema „Saftfasten“ angetestet. Dachte, es wäre eine Spitzenidee, vor den Feiertagen eine kleine Fresspause einzulegen. Hier nun exklusiv für euch ein kleiner Überblick meiner gesammelten Saft-Erfahrungen:

Da war dieser Mädelsabend mit Katrin und Alex, an dem wir beschlossen haben, dass wir gemeinsam unter die Saft-Detoxer gehen. Saftkuren haben offenbar eines gemeinsam: Sie sind alle ziemlich teuer. Die ganze Zeit über hatte ich das Gefühl, dass sich der Hersteller heimlich auf die Schenkel klopft, weil ein paar Leute so doof sind, dass sie horrende Summen für Flüssigkrams ausgeben. Klar: die Säfte wurden kaltgepresst, bestehen aus frischen Zutaten usw. usw. – ich werde aber das Gefühl nicht los, dass ich das Heulen anfange, wenn man mir irgendwann die Herstellungskosten verraten sollte. Andererseits: gerade weil die Kosten für ein wenig Saftnahrung so hoch sind, setzt Mann/Frau sich persönlich auch unter Druck, frei nach dem Motto: „das war teuer – das muss jetzt auch was bringen“.

Aber alles der Reihe nach: Katrin ist schon einige Monate Saft-Expertin und hat den Hersteller für uns ausgewählt, bei dem ihrer Ansicht nach die Säfte am besten schmecken – wenn schon Saft, dann aber bitte in lecker. Und dank Gwyneth Paltrow wissen wir schon: Es heißt nicht Saftkur, sondern „Cleanse“. Soweit sind wir im Bild und Katrin bestellt für uns.

Gruppenrabatt = Servicerabatt

Es machen noch ein paar andere Leute mit. Das heißt: Gruppenrabatt! Problem: Der von uns ausgewählte Hersteller kann offenbar nur den zahlenden Kunden bei sich im System registrieren. Bestellt eine Person für andere Leute mit, heißt das: nur diese Person, bekommt auch Tipps zum Cleansen per Mail. Wir haben also die Wahl zwischen Gruppenrabatt ODER Infos per Mail für jeden Teilnehmer – und finden das strange... Ich hab’ mal gelernt, dass Adressgenerierung das A & O für jedes Unternehmen ist, aber gut...

Die Vorbereitung

Weil nur ein Teilnehmer die Gruppenbestellung vornehmen kann, kriegt auch nur dieser Teilnehmer die Lieferung. Katrin spielt also Postbote. Der Saft kommt schön verpackt mit Kühlpaketchen dazwischen. Draußen ist es kalt genug, um die Lieferung auf dem Balkon zu lagern - unser Familienkühlschrank kommt mit so viel Saft platzmäßig nicht klar. Eigentlich sollten die einzelnen Flaschen durchnummeriert sein, damit man weiß, wann welcher Saft an der Reihe ist – sind sie leider nicht. Also beginnt mein Cleanse mit der Suche nach einem Edding in den Untiefen des Schreibtischs. Ich habe in den letzten Tagen bereits meinen Kaffeekonsum reduziert, Hülsenfrüchte gegessen und versucht, insgesamt mehr zu trinken. Alkohol ist auch längst tabu. Jetzt kann’s losgehen.

Tag 1

Skeptisch piekse ich einen mitgelieferten Strohhalm in die erste, grünliche Flasche – deswegen grünlich, weil der Tag jetzt mit einem hohen Grünkohl- und Spinat-Anteil beginnt. Mir schmeckt’s, und ich fühle mich satt. Was mir fehlt, ist mein Kaffee. Irgendwann zwischen Saft 2 und 3 fange ich an zu frieren. Cleanse im Winter – vielleicht doch keine so tolle Idee... Geschmacklich haut alles prima hin. Ich trinke Schlückchen für Schlückchen, renne mindestens jede Stunde zur Toilette und schicke mir Durchhalte-WhatsApp-Nachrichten mit Alex und Katrin. Die beiden klagen über Kopfschmerzen. Eigentlich sollten noch Durchhalte-E-Mails vom Hersteller kommen – natürlich nur an Katrin, aber auch die hört nichts mehr . Wir ahnen es: ab jetzt sind wir komplett auf uns allein gestellt. Der abendliche Gute Nacht Saft erinnert an flüssigen Milchreis. Kind probiert ein Schlückchen und will ihn austrinken, aber da verstehe ich jetzt keinen Spaß – das ist meiner!

Tag 2

Zum Frühstück wieder  kein Kaffee - dafür „das Gleiche in grün“. Auf dem Weg zu einem Termin schlürfe ich während der Autofahrt so vor mich hin. Gestern dachte ich noch, das Thema „Kopfweh“ hätte sich für mich erledigt – heute wird mir klar: zu früh gefreut. :-( Mein Kopf hämmert und wummert – Koffeinentzug, so sagt man mir. Am Ende schlucke ich Aspirin. Fällt das noch unter „Detox“?! Bestimmt nicht, aber immerhin: die Tablette war die einzige feste Nahrung. Darauf den nächsten Saft... Wobei: jetzt weiß ich ja schon, welche Geschmacksrichtung mich wann erwartet, und stelle fest: immer noch lecker.

Tag 3

Morgen habe ich es geschafft: 3 Tage Saft machen mich stolz: ich kann ohne feste Nahrung leben – ich hatte keinen Hunger. Alex, Katrin und ich können ohne feste Nahrung leben. Stolz schicken wir uns „Trinke gerade Saft X“-Bilder per WhatsApp. Insgeheim feiern wir uns schon als Detox-Queens. Wir haben nicht gesündigt – und ich finde Kopfschmerztabletten zählen nicht. Dafür gehe ich am letzten Tag noch einmal durch ein finsteres Detox-Tal: Hocke über die Mittagszeit in einem Meeting. Alle Anwesenden bestellen beim Asia-Bringdienst. Alle – bis auf mich. Noch nie habe ich einen derartigen Glutamat-Neid verspürt. Tausche Sojasauce gegen Zitrus-Gesöff... Aber hey – morgen ist alles vorbei. Abends ein letztes Mal flüssige Milchreis-Milch. Schnell ins Bett – nur nicht kurz vor knapp in Versuchung geraten! Das wär’ ja wie ‚kurz vorm Klo in die Hose machen’. Fazit Ich habe festgestellt: Saftfasten ist nicht so schlimm, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich brauche keine feste Nahrung, hatte keinen Hunger, und der Saft war lecker. Allerdings bin ich ein ausgesprochen unsozialer Mensch, wenn ich  friere und Kopfschmerzen habe, und ich denke, dass das nicht nur mir so geht... Gut, dass ich Alex und Katrin hatte – gemeinsam "cleansed" es sich einfach besser. Was bleibt ist der Triumph, es geschafft zu haben. 2,5 Kilo habe ich verloren, bevor der kleine Udo Jürgens in mir wieder das penetrante Singen anfing: „aber bitte mit Saaahne“. Mein „Weihnachts-Puffer“ war also schnell wieder weggefuttert, aber ich kann dies Jahr ja noch einmal „Entsaften“. Nicht nur Ernährungswissenschaftler wissen: es braucht keinen Saft-Cleanse, um zu entgiften, abzunehmen oder ganz einfach gesünder zu leben. Aber ich bin ja manchmal eine kleine, faule Konsum-Wurst. Sehr gut möglich also, dass ich noch einmal tief in die Tasche und zum Saft greife, und dann vielleicht sogar für eine ganze Woche. Last but not least hat sich wieder einmal herausgestellt: mit den tollsten Freundinnen der Welt geht alles!    


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